Nach intensiver Diskussion hat sich eine deutliche Mehrheit der Gemeindevertretung dafür ausgesprochen, die Streams auf die Sitzungen der Gemeindevertretung zu beschränken. Voraussetzung dafür ist die Änderung der Hauptsatzung, die in der nächsten Sitzung beschlossen werden soll.
Seit 2020 nahm Heringsdorf auf der Insel Usedom eine Vorreiterrolle ein. Sämtliche öffentlichen Sitzungen – vom Bauausschuss und Eigenbetriebsausschuss bis zum Sozialausschuss – wurden live gestreamt.
Ziel war die maximale Transparenz kommunalpolitischer Arbeit. Die Verwaltung legte jetzt Zahlen vor, die die Nutzung der Streams belegen: Im Schnitt verfolgten mehr als 30 Zuschauer die Gemeinderatssitzungen, im November sogar mehr als 60.
Auch Ausschüsse fanden ein Publikum: Ein Bauausschuss kam auf mehr als 20 Zuschauer, der Eigenbetriebsausschuss zeitweise auf knapp 30. Teilweise verfolgten aber auch nur vier bis sechs Zuschauer die Ausschusssitzungen.
Für Bürgermeisterin Laura Isabelle Marisken (parteilos) sind diese Zahlen dennoch ein Argument für den Erhalt der Übertragungen. „Das zeigt, dass die Streams angenommen werden“, sagte sie.
Gerade für Alleinerziehende oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität böten sie eine echte Teilhabemöglichkeit. Der technische Aufwand sei vorhanden, habe aber bislang funktioniert, so die Verwaltungschefin.
Die Mehrheit der Gemeindevertreter folgte dieser Einschätzung jedoch nicht. Christine Friedrich (HGV/UWG) betonte, Transparenz bleibe wichtig, dennoch spreche sie sich gegen gestreamte Ausschüsse aus. „So können die Ausschüsse wieder wandern“, sagte sie mit Blick auf Ortsbegehungen oder Sitzungen in wechselnden Räumen. Die Livetechnik binde Ort und Ablauf zu stark.
Auch Constanze Christoph (GME) verwies auf den personellen Aufwand. Angesichts der vergleichsweise überschaubaren Zuschauerzahlen sei ein Ende der Streams vertretbar. Gleichzeitig mahnte sie an, Entscheidungen künftig noch besser in den Gemeindevertretersitzungen zu erläutern, um die Einwohner mitzunehmen.
Widerspruch kam von Sven Brümmel (InKa). „Wir versprechen den Bürgern Transparenz und bieten das auch mit den Livestreams“, sagte er. Er sei stolz darauf, dass Heringsdorf diesen Weg gehe, und sehe keinen Grund, davon abzuweichen. „Die Kosten dürften es ja nicht sein!“
Am Ende setzte sich dennoch die Mehrheit durch: Mit nur drei Gegenstimmen beschloss die Gemeindevertretung das Aus für die Liveübertragungen der Ausschüsse. Öffentlich bleiben die Sitzungen weiterhin – allerdings künftig ohne Kamera und nicht immer im Ahlbecker Rathaus.